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Artikel getagged mit: Grünland

[17.07.2018 | Kein Kommentar]

Neue Methoden in der Grünen Gentechnik?

Eine intensive und fachlich detaillierte Debatte führten die GRÜNEN am Montag, 9.7.18 im Schleswig-Holstein Saal des Landtages

Das Bestreben einiger Unternehmen, neue gentechnische Verfahren von der strengen europäischen Regulation über das Gentechnikrecht auszunehmen, beschäftigt den Europäischen Gerichtshof. Das Urteil wird am 25. Juli 2018 erwartet. Aber auch darüber hinaus wird das Thema Gegenstand politischer Debatten sein und die Herausforderung drängt, es politisch klar zu lösen.

„Ein bisschen Gentechnik“ geht wohl nicht, merkte eine Teilnehmerin an.

Referent*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik diskutierten über die möglichen Auswirkungen und den richtigen gesetzlichen Rahmen für Genscheren wie etwa CRISPR/Cas, so sie in der Pflanzenzucht zum Einsatz kommen sollten.

Oda Lambrecht, freie Journalistin für den NDR, leitete die Diskussion.

Wie genau sind die Genscheren wirklich? Sind die Auswirkungen vorhersehbar? Halten wir bei der Freisetzung in die Umwelt weiter das Vorsorgeprinzip mit Risikoprüfung, Zulassung, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung ein?

Frau Dr. Gunhild Leckband, Geschäftsführerin im mittelständischen Pflanzenzuchtunternehmens NPZ, betonte die Chancen für Resistenzzüchtung gegenüber Pflanzenkrankheiten. Sie plädierte dafür zumindest einzelne Punktmutationen von der Regulierung als Gentechnik auszunehmen.

Dr. Breckling von der Universität Vechta argumentierte, dass Punktmutationen auch wiederholt vorgenommen werden können und es bei solchen Ausnahmen dann auch keine Transparenz und Kontrolle weder für kleine noch für größere Veränderungen gebe. Es sei auch analysierbar, ob es eine natürliche Mutation oder eine durch CRISPR/ Cas herbeigeführte Mutation sei.

Abbildung 1: Oda Lambrecht, Annemarie Volling, Dr. Gunhild Leckband, Dr. Broder Breckling, Bernd Voß (v.l.n.r.)

Zu CRISPR/Cas gehören auch Verfahren wie Gen-Drive mit denen man z.B. Schadinsekte nicht nur bekämpfen, sondern auch ihre Ausrottung einleiten könne.

Annemarie Volling vom Netzwerk gentechnikfreie Land- und Ernährungswirtschaft betonte, dass diese Methoden dazu führen, dass es nicht mehr um Sortenrecht, ein Open source System, sondern um Patentrecht ginge. Das könne sehr nachteilig für die mittelständischen Unternehmen und Bauern/Bäuerinnen werden.

Weltweit nimmt die Konzentration der multinationalen Mischkonzerne im Agrarbereich zu. Beispielhaft dafür steht der Zusammenschluss von Bayer und Monsanto. Drei Konzerne haben weltweit 60 Prozent des Saatgutes in ihren Händen.

Derzeit sorgten in Europa noch mehrere 100 Pflanzenzuchtunternehmen für eine Vielfalt im Angebot, während in den USA, bedingt durch Gentechnik und Patentierung, ganze wenige Konzerne den Markt bestimmen.

Bernd Voß, GRÜNER Landtagsabgeordneter betonte, dass Europa durch sein Gentechnikrecht weitgehend frei sei vom Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Das sei auch ein Vorteil am Markt. Anbau von Gentechnisch veränderten Pflanzen erfordere eine konsequente Trennung der Warenströme und der Anbauflächen auf den Feldern. Wer die Freiheit von GVO garantieren müsse, werde viel in Untersuchungen zu investieren haben. Koexistenz sei eben teuer für den, der GVO frei bleiben und nicht für den der freisetze.

Abbildung 2: Oda Lambrecht, Annemarie Volling, Dr. Gunhild Leckband, Dr. Broder Breckling, Bernd Voß (v.l.n.r.)

Dem Gedanken, die neuen gentechnischen Verfahren nicht dem Gentechnikrecht zuzuordnen, wurde mit Ablehnung begegnet.
Schließlich sei grade dieser Tage bekannt geworden, dass Veränderungen durch die neuen Gentechnikverfahren nachgewiesen werden könnten.

Nach dem Urteil des EUGH wird die Debatte in Bezug auf die europäische Rechtssetzung und die nationale Umsetzung fortgeführt werden.

Das Schlusswort hatte Uta Bergfeld, Sprecherin der Grünen Landesarbeitsgemeinschaft Landwirtschaft. Sie betonte, dass wir den Hunger, Flucht und die ökologischen Krisen nur durch die Bekämpfung der eigentlichen Ursachen wirksam eindämmen können. Da hilft eine weltweite Agrarwende. Hier sind gerechte Entwicklungschancen und regional angepasste Landwirtschaft wichtiger als der Einsatz gentechnischer Verfahren in der Pflanzenzüchtung.


[05.07.2018 | Kein Kommentar]

Presseinformation Nr. 261.18 / 04.07.2018

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 15+33+34 – Anträge zur Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes, zum Glyphosateinsatz und zum Grundwasserschutz

Dazu sagt der landwirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß:

Pflanzenschutz in der Sackgasse

Pflanzenschutzreduktionsstrategie, Glyphosatausstieg, Düngeverordnung – der Ältestenrat hat Tagesordnungspunkte zusammengebracht, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind. Was diese Themen allerdings gemeinsam haben: Der Handlungsbedarf ist überfällig, seit vielen Jahren bekannt und durch Expert*innen immer wieder dargelegt worden.

Diejenigen, die dies weiter zerreden und niemanden mit den Gegenmaßnahmen belasten wollen, erweisen auch der Landwirtschaft einen Bärendienst. Der Anpassungsdruck wird immer größer und draußen sind viele Berufskolleg*innen auch schon weiter.

Sie wissen, es wird eng beim Pflanzenschutz, wenn immer mehr Wirkstoffe sich nach Jahren der Anwendung als doch nicht so harmlos herausstellen, wie anfangs behauptet.

Sie wissen, dass keine neuen Mittel kommen und immer neue Resistenzen auftreten, dass hohe Düngegaben und enge Fruchtfolgen aus bekannten ökonomischen Zwängen diese Probleme verschärfen.

Sie wissen, die Akzeptanz für diese Art der Landwirtschaft schwindet mit jeder Meldung über Insektensterben, mit jeder Warnung vor dem stummen Frühling. Sie sind auf der Suche nach Alternativen.

Die Konsequenz, wenn die Gesetzgeber*innen es unterlassen, dringend erforderliche Normen zu setzen, sehen wir aktuell im Tierschutz. Die großen Lebensmittelketten setzen ihre Normen. Das kann auch in anderen Bereichen, wie beim Pflanzenschutz, die Konsequenz aus der Verweigerung staatlichen Handelns sein. Das löst nicht die Probleme, sondern schafft erst recht folgenreiche Abhängigkeiten, die niemand will.

Die Anträge gehen mit unterschiedlichem Duktus alle in eine Richtung. Daher ist es müßig, sich hier mit Vorwürfen und Unterstellungen zu überschütten.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir Grünen wollen den Glyphosateinsatz beenden. Wir fordern ein klares Enddatum. Am besten auf EU-Ebene, ansonsten durch die Bundesregierung. Auf Ebene eines Bundeslandes ist dies nicht möglich, das weiß auch Kirsten Eickhoff-Weber. Wir haben im Land zuletzt durch den Erlass vom 29. Februar 2016 unseren Handlungsspielraum weitestgehend ausgeschöpft. Aber Glyphosat ist nur die Spitze des Eisbergs.

In der Debatte um Glyphosat geht es aber um mehr als um einen einzelnen Wirkstoff. Es geht um das „System Glyphosat“: Es geht um den Ausstieg aus einem System, dass eine einseitige Entwicklung gebracht und die Landwirt*innen von der chemischen Industrie abhängig gemacht hat. Und zwar so, dass viele bis heute davon ausgehen, es ginge nicht mehr ohne.
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[16.11.2017 | Kein Kommentar]

Presseinformation Nr. 337.17 / 16.11.2017
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Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 12 – Ausstieg aus dem Einsatz von Glyphosat jetzt!

Dazu sagt der landwirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß:

Das Ende der Glyphosatzulassung wird kommen!

Der Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft wurde in der Presse am Montag folgendermaßen zitiert: „Glyphosat wird viel zu oft und zu umfangreich versprüht. In Europa ließe sich der Einsatz vermutlich um die Hälfte reduzieren.“

Eine Erkenntnis, die leider etwas spät kommt. Hätte man früher auf die enorme Ausweitung des Einsatzes von Glyphosat reagiert, durch Aufzeigen pflanzenbaulicher Alternativen und mit einer ernstgemeinten Reduktionsstrategie, hätten wir heute nicht diese zugespitzte Debatte.

Glyphosat ist auch deswegen so stark in den Focus gekommen, weil es der weltweit mit Abstand am häufigsten eingesetzte Wirkstoff ist – und das seit fast 50 Jahren.

Als es die ersten Hinweise gab, dass Glyphosat sowohl in den humantoxikologischen als auch den ökotoxikologischen Auswirkungen möglicherweise nicht so harmlos ist, wie es uns immer verkauft wurde, haben sowohl viele in den politischen Instanzen als auch die landwirtschaftliche Beratung viel zu zögerlich reagiert.

Es ist kein Wunder, dass die gesellschaftliche Akzeptanz für diese Art der Landwirtschaft schwindet, wenn Meldungen über Glyphosat in Gewässern, im Bier, im Urin x-beliebiger Personen und zuletzt auch in Eiscreme die Öffentlichkeit aufschrecken.

Noch vor zwei Jahren stand eine Verlängerung der Zulassung um 15 Jahre in Aussicht. Das dies abgewendet werden konnte, ist ein großer Erfolg der zivilgesellschaftlichen Gruppen, Verbände und vieler Bürger*innen in Europa, die sich dazu engagiert haben.

Die EU-Kommission hat damals die Entscheidung getroffen und die Zulassung von Glyphosat nur um eineinhalb Jahre verlängert. Das war in der Situation gut so. Die Kommission hat damals außerdem den Mitgliedsstaaten empfohlen, Anwendungsbeschränkungen zu erlassen. Es ist bedauerlich, dass sie dies nicht rechtsverbindlich getan hat. Die Große Koalition ist dann auch der Verantwortung nicht weiter nachgekommen, diesen Hinweis der EU Kommission so weit wie möglich national umzusetzen. Es zeigt aber: Europa lebt. Es wirkt, wenn Bürger*innen sich in dieser EU in europäische Entscheidungsprozesse einbringen.
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[24.10.2017 | Kein Kommentar]

Presseinformation Nr. 311.17 / 24.10.2017

Nach der Abstimmung im Europäischen Parlament: Ausstieg aus Glyphosat nicht länger verzögern!

Zur heutigen (24.10.2017) Glyphosat-Abstimmung im Europäischen Parlament sagt der agrarpolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß:

Ein Ausstieg aus Glyphosat ist notwendig und möglich. Das Votum des Europäischen Parlaments ist zwar nicht bindend, aber ein eindeutiges Signal in Richtung Rat, der von der EU-Kommission angestrebten zehnjährigen Verlängerung der Zulassung auf keinen Fall zuzustimmen.

Das ist Aufforderung auch an die geschäftsführende Bundesregierung, morgen eine klare Haltung dazu im zuständigen Ausschuss zu zeigen. Wir brauchen ein Ausstiegsszenario und wir brauchen es zügig. Dazu gehören konkrete Auflagen wie das europaweite Sikkationsverbot (Behandlung vor der Ernte) und das Verbot der Privatanwendung.

Es steht unabhängig vom Glyphosat eine wirksame Reduktionsstrategie und eine Reform des Zulassungsverfahrens für Pflanzenschutzmittel an. Wichtiger als die Frage, ob in drei oder fünf Jahren Schluss ist, sind konkrete Maßnahmen, die den Ausstieg einleiten. Die alte und die zukünftige Bundesregierung dürfen hier nicht länger den Bremser spielen.