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Nachhaltige Strategien gegen Lebensmittelverschwendung

10 September 2018 Kein Kommentar

Presseinformation Nr. 317.18 / 06.09.2018

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 9 – Nachhaltige Strategien gegen Lebensmittelverschwendung

Dazu sagt der agrarpolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß:

Wir dürfen nicht das billig machen, was in Wirklichkeit wertvoll ist!

Die Dimension der Verschwendung von Lebensmitteln hat erschreckende Ausmaße erreicht. Weltweit geht etwa ein Drittel der produzierten Nahrungsmittel verloren oder wird weggeworfen. Je nach Basis weichen die Zahlen erheblich voneinander ab. Es gibt Zahlen, die auch für Deutschland abweichen, zum Beispiel 18 Millionen Tonnen im SPD-Antrag, vermutlich der Studie des WWF entnommen, aber auf der Homepage des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wird von 11 Millionen Tonnen jährlich gesprochen.

Ein Vergleich dieser Zahlen bringt nichts, wenn es keine einheitliche Definition und Erfassung gibt. Daher begrüßen wir, dass die EU es angestoßen hat, einen einheitlichen Rahmen für die Erfassung von Lebensmittelverlusten zu schaffen.

Lebensmittelverschwendung als globales Problem hat auch die Vereinten Nationen erkannt und die Reduktion der Lebensmittelverschwendung in die Ziele zur nachhaltigen Entwicklung einbezogen. Bis 2030 sollen die Verluste auf Privat- und Einzelhandelsebene halbiert werden. Die Verluste entlang der Produktions- und Lieferkette sollen ebenfalls verringert werden.

Zur Umsetzung hat sich Schleswig-Holstein verpflichtet. Dies soll im Rahmen der Landesentwicklungsstrategie geschehen. Das halte ich für sinnvoll, denn es braucht einen ressortübergreifenden Ansatz. Die Punkte, die die SPD in ihrem Antrag genannt hat, sind an sich nicht verkehrt und sollten dabei Berücksichtigung finden.

An konkreten Projekten und Zusammenarbeit mit Akteur*innen ist in der Vergangenheit bereits einiges gelaufen. Da sollte angeknüpft werden, anstatt das Rad neu zu erfinden. Einen neuen zusätzlichen Strategieprozess auf Länderebene braucht es dafür meiner Ansicht nach heute nicht mehr. Allerdings wird es Zeit, dass der Bund die angekündigte nationale Strategie mit verbindlichen Zielen und Maßnahmen für die Branchen entlang der Wertschöpfungskette endlich vorlegt.

Global Denken – lokal handeln: dieses alte Motto der Nachhaltigkeitsbewegung ist bei diesem Thema besonders relevant. Denn wir alle tragen als Verbraucher*innen zur Lebensmittelverschwendung bei oder, positiv formuliert, können einen Beitrag zur Reduktion der Verschwendung leisten, beispielsweise durch bewusstes Einkaufs- und Konsumverhalten. Ich finde es richtig, hier weiter Aufklärung zu leisten und Bildungsangebote bereitzustellen. Auch, aber nicht nur, im Rahmen der schulischen Bildung.

Der Anteil der Ausgabe für Lebensmittel am Einkommen ist in den letzten Jahrzehnten immer geringer geworden. Es gibt sie immer im Überfluss und oft werden sie billig angeboten. Sicher mit ein Grund dafür, dass die Wertschätzung für Lebensmittel bei vielen Menschen mindestens im Alltag nicht mehr so vorhanden ist.

Aber es ist bei weitem zu kurz gegriffen, nur an die Verbraucher*innen zu appellieren. Die Verschwendung hat viel mit dem System der Nahrungsmittelerzeugung und deren Bereitstellung zu tun. Wie dies strukturiert ist, richtet sich wiederum nach dem Rahmen, den die Politik dafür setzt. Durch Rechtsnormen, wie zum Beispiel Hygienevorschriften,
Kennzeichnungsvorschriften, Dokumentationspflichten aber auch durch Förderung, zum Beispiel durch das System der EU-Agrarzahlungen.

Wir haben heute ein Überangebot an Lebensmitteln. Die Dumpingpreise der Supermärkte decken oft kaum die Produktionskosten, ganz zu schweigen von den indirekten, ökologischen und sozialen Folgekosten. Das ausdifferenzierte, durchindustrialisierte Lebensmittelversorgungssystem, mit langen Lieferketten und durch den Handel vorgegebene Normen dient in erster Linie der Absatzförderung und begünstigt die Lebensmittelverschwendung. Gleichzeitig hat es zu einem Verpackungswahnsinn geführt, der uns zu Weltmeister*innen beim Verpackungsmüll und bei der Erzeugung von Plastikbergen macht.

Aber die Rechnung geht am Ende nicht auf, denn was bei den Erzeuger*innenpreisen fehlt, muss letztlich durch die Steuerzahler*innen subventioniert werden, entweder durch direkte Bezuschussung der Betriebe mit EU-Agrarzahlungen oder durch Folgekosten, die durch Billigproduktion und nicht ausreichende Standards entstehen, zum Beispiel Gewässerverschmutzung sowie wachsende Abfallberge und Plastikmüll.

In einer Politik, die einen Einzelhandel wie „Unverpackt“, regionale Verarbeitung und Vermarktung, kurze Lieferketten und mehr direkte Kontakte zwischen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen stärkt, sehe ich einen Weg, wie wir der Verschwendung entgegenwirken und gleichzeitig auch etwas für faire Preise, eine höhere Wertschöpfung im ländlichen Raum und eine nachhaltige Landwirtschaft tun können.

Wenn ich von vermeidbaren 10 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle ausgehe, dann erzeugen wir bei uns in Deutschland auf einer Fläche von 2,6 Millionen Hektar Lebensmittel für die Tonne. Das ist 2,6 Mal die landwirtschaftliche Fläche Schleswig-Holsteins. Wir haben eine globale Verantwortung und dürfen nicht das billig machen, was in Wirklichkeit wertvoll ist.

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