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Gegen ein Wiederanfahren des AKW Brokdorf

26 August 2011 Kein Kommentar

Bernd Voß 25.4.11 bei der Demonstration in Wilster

Das AKW Brokdorf ist wieder in den Schlagzeilen. Viele Menschen hier in der Wilstermarsch können sich noch gut an die Massendemonstrationen am Bauzaun erinnern. Die Netzanbindung des AKW Brokdorf fand am 14.10.1986 statt.

Seit dem 7.8.2011 ist das AKW Brokdorf wegen des Ausfalls eines Transformators abgeschaltet. Erst kurz vorher war die Jahresrevision des AKW abgeschlossenen worden. Die Medien haben das wie folgt kommentiert: „Das Image hat Risse bekommen“ (KN vom 12.8.2011) und „Brokdorf, das Vertrauen ist verspielt“ (LN vom 13.8.2011). Das AKW Brokdorf ist das erste Atomkraftwerk, das nach dem gesetzlich festgeschriebenen Atomausstieg wegen einer Panne vom Netz musste. Das neue Atomrecht nach Fukushima kommt zur Anwendung.

Auch nach dem Beschluss zum Atomausstieg dürfen die Gefährdungen aus dem Betrieb der noch laufenden Atomkraftwerke nicht vernachlässigt werden. Sicherheit geht immer noch vor Wirtschaftlichkeit. Das AKW Brokdorf wird spätestens Ende 2021 vom Netz gehen. Noch 10 Jahre muss die Sicherheit ohne Kompromisse gewährleistet werden. Das ist ein Problem, denn alle technischen Komponenten werden immer älter und störanfälliger. Mit dem sich nähernden Ende des AKW werden Investitionen immer weniger rentierlich.

Die Antworten auf unsere Kleine Anfrage vom 2.8.2011 zur Revision des AKW Brokdorf brachte einige überraschende Informationen. (s.u.) Es gibt seit ein paar Jahren Handhabungsprobleme beim Ent- und Beladen der Brennelemente. Ursächlich hierfür sind Brennelementverformungen. Diese haben zu tun mit steifigkeitsbeeinflussenden Designmerkmalen der Brennelemente, so die Antwort auf meine kleine Anfrage. Da wird der Mensch doch hellhörig.

Auch wenn diese Probleme nicht ganz neu sind, so führten sie doch diesmal zu einer deutlichen Verlängerung der Revisionsarbeiten. Deshalb hat die Reaktorsicherheitsbehörde Schleswig-Holsteins dem Bundesumweltminister die Einschaltung der Reaktorsicherheitskommission empfohlen. Das unterstützen wir.

Für die Beherrschung von Störfällen ist es unerlässlich, dass die Brennstäbe und die Steuerstäbe leichtgängig sind, um eine schnelle Abschaltsicherheit zu gewährleisten. Ein negativer Falltest, also das probeweise Einfahren der Dämpfungsstäbe unter den
entspannten Bedingungen des Revisionsstillstandes beruhigt uns nicht. Bei Notfall und Schnellabschaltung kann die Anlage unter thermischem oder mechanischem Stress stehen.

Beim jüngsten Ereignis hat das sogenannte Buchholz-Relais den Transformator AT01 vor einem Brand bewahrt. Der Trafo gehört zur Erstausstattung des AKW und ist 25 Jahre alt. Er soll nicht repariert werden, sondern es wird ein kompletter Tausch vorgesehen. Die Frage steht im Raum: Warum sind die Schwachstellen des Trafos während der Revision nicht festgestellt worden? Viele ernste Zwischenfälle gingen von Netzstörungen und Trafofehlern aus. Im AKW Krümmel wurde auch zunächst gesagt, es sei ja nur der konventionelle Teil des Kraftwerkes betroffen. Wir wissen heute, dass es danach dicker kam.

Nun plant der Betreiber E.ON, das AKW wieder anzufahren mit nur einem Transformator, dem verbleibenden AT01, der auch 25 Jahre auf dem Buckel hat. Das Ansinnen von E.ON ist verständlich, denn es geht um viel Geld.

Wir Grünen sind gegen ein Wiederanfahren mit nur einem Trafo. Bei dem erbetenen Bericht zum Zustand des Atomkraftwerks Brokdorf geht es uns weiter darum, welche Maßnahmen zur Erhöhung der Robustheit des AKW Brokdorf real ergriffen werden. Was ist unter der Weiterentwicklung des Notfallschutzkonzeptes zu verstehen? Und schließlich spricht die Landesregierung in ihrer Antwort auf unsere Fragen von vorsorglichen Schutzmaßnahmen bei Hochwasser. Diese möglichen Gefahren wurden bisher als unrealistisch vom Tisch gewischt.

Eine Technik, die niemals versagen darf, müssen wir beenden. Wir hätten niemals in das Atomprogramm einsteigen dürfen. Noch zwei Legislaturperioden, dann ist der Leistungsbetrieb in Brokdorf beendet. Kein Strom mehr, nur noch strahlender Müll für Jahrtausende. Wir Grünen sind froh, dass der Atomausstieg besiegelt ist. Ein großer Verdienst der engagierten Menschen in der Anti-AKW-Bewegung! Nach der gesellschaftlichen Mehrheit kam es zu einer sehr großen politischen Koalition für die geordnete Beendigung des Atomprogramms in Deutschland.

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