Home » Agrarpolitik, Energiepolitik, Homepage, Verbraucherschutz

Förderung zum Erhalt seltener Nutztierrassen und Kulturpflanzen

22 Februar 2020 Kein Kommentar

Presseinformation Nr. 067.20 / 20.02.2020
___________________________________________________________

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 31 – Förderung zum Erhalt seltener Nutztierrassen und Kulturpflanzen

Dazu sagt der landwirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von
Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß:


Vielfalt ist der Weg für eine Land- und Ernährungswirtschaft mit Zukunft

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Agrobiodiversität, die Artenvielfalt bei Nutzpflanzen und Nutztieren,
ist für unser Überleben ebenso wichtig wie der Schutz der Vielfalt bei
Wildpflanzen und Wildtieren. Ich bedanke mich bei der Landesregierung für
diesen Bericht.

Zugleich möchte ich mich auch bei all denen bedanken, die als
Landwirt*innen und Gärtner*innen auf ihren Betrieben, auf ihren Feldern,
als Mitglied in Tierzuchtverbänden, in ihren Obstgärten oder an den
Hochschulen, in großen und kleinen Einrichtungen wie dem Tierpark Warder
und der Stiftung Naturschutz daran mitwirken, die Vielfalt der
Nutzpflanzen und Nutztiere zu bewahren und weiter zu entwickeln. Und auch,
wenn dazu für Ehrenamtliche sowie Betriebsinhaber*innen Engagement, Liebe
zur Sache, ein gutes Auge und Detailkenntnisse gehören, ist das weit mehr
als Liebhaberei.

Genetische Diversität bei Nutzpflanzen und -tieren ist ein einmaliges und
unersetzbares Erbe jahrhundertlanger landwirtschaftlicher Tätigkeit, so
heißt es in dem Bericht. Ganz genau. Jahrzehntelang wurde in der
Züchtung viel zu einseitig auf Merkmale der Hochleistung und gesetzt. Das
hat Produktivitätsfortschritte gebracht. Aber es sind Risiken und
Verluste damit verbunden. Unsere Ernährung beruht weltweit zu 90 Prozent
auf nur drei Getreidearten: Weizen, Reis und Mais.

Und da dominieren wenige Sorten. Auch innerhalb der Arten schrumpft das
Spektrum. Es ist eine Erosion, die da stattgefunden hat. Und dabei ist die
genetische Bandbreite, die durch Jahrhundertelange Züchtungsarbeit
gewachsen ist, riesengroß. Ich habe einmal in die Rote Liste der
gefährdeten Nutzpflanzen für Deutschland geschaut. Da gibt es sage und
schreibe 77 Hafersorten und 122 Weizensorten. Diese Bandbreite müssen wir
erhalten und perspektivisch auch nutzen.

Trotz der scheinbaren Vielfalt, die wir meinen im Supermarkt vorzufinden,
laufen wir in eine gefährliche Verarmung unserer Ernährungsgrundlagen.
Nebenbei bemerkt: Es gut, dass es auch Nachfrage und einen Markt für
Erzeugnisse aus seltenen Sorten und Arten gibt. Verbraucher*innen können
so nach dem Motto „Bewahren durch Aufessen“ einen Beitrag für den
Erhalt unserer Vielfalt leisten.

Das gilt auch für die Nutztiere. Ob Milchkuh, Schwein oder Geflügel,
einige wenige Rassen machen den Großteil der Bestände aus. Innerhalb der
Rassen dominieren wenige Zuchtlinien. Besonders krass ist die Situation
beim Geflügel.

Durch diese extreme Auslese werden einerseits Legeleistung bei Legehennen
und das Muskelwachstum bei Masthühnchen gepuscht bis ans physische Limit
und darüber hinaus, andererseits sind diese Tiere aufgrund ihrer
genetischen Verarmung auch anfälliger für Krankheiten.

Im Pflanzenbau haben einseitige Fruchtfolgen zu höheren
Pestizideinsätzen und einer Abnahme bei Insekten geführt. Trotzdem, oder
besser gesagt genau deswegen, steigen die Risiken von Schädlingsbefall,
zum Beispiel mit Maiszünsler. Um dem entgegenzuwirken, brauchen wir
dringen wieder mehr Vielfalt bei Kulturpflanzen und Nutztieren. Auch vor
dem Hintergrund des Klimawandels, denn durch Vielfalt entsteht
Widerstandsfähigkeit, oder auch, wie man neuerdings sagt, Resilienz.

Sorten, wie sie zum Beispiel in der Pflanzenzucht für den Ökolandbau
entwickelt werden sollten, die eine größere Variationsbreite der
Pflanzen innerhalb der Sorten haben, können besser auf verändernde
Umweltbedingungen und Umweltstress wie Pflanzenkrankheiten, Schädlinge
und Wetterextreme reagieren. Sie können mehr zur Ernährungssicherung
beitragen, als die einseitig gezüchteten Hochertragssorten.

Und sicher auch mehr als Gentech-Designerpflanzen, die es hoffentlich auf
unseren Äckern hier nie geben wird, und am besten auch nicht anderswo.
Mit der Entwicklung von angepassten und widerstandsfähigen Sorten lässt
sich das Risiko für Ausfälle verringern und die Ertragsstabilität
verbessern. Durch Einkreuzung alter Rassen in einseitig gezüchtete
Tierbestände werden eine artgerechte, robuste Haltung und auch eine
Mehrfachnutzung, also für Mast und Milch, für Mast und Legeleistung,
wieder möglich.

Darum ist es gut, dass der Bund die Länder bei dieser Aufgabe
unterstützt. Finanziell im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe, konzeptionell
mit seiner bereits in 2007 vorgelegten Strategie zur Agrobiodiversität.
Das wird er hoffentlich auch zukünftig tun oder besser noch ausweiten.
Ebenso hoffe und erwarte ich, dass dieser Aspekt auch in der Umsetzung der
EU Agrarpolitik eine stärkere und wirksamere Berücksichtigung als bisher
findet. Denn Vielfalt ist der Weg für eine Land- und
Ernährungswirtschaft mit Zukunft.

Leave your response!

Add your comment below, or trackback from your own site. You can also subscribe to these comments via RSS.

Freundlich und am Thema bleiben. Kein Spam.

Nutzen Sie diese tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Dies ist ein Gravatar-basierter Blog. Um Ihren global verwendbaren Avatar zu bekommen, registrieren Sie sich bitte auf Gravatar.