Home » Agrarpolitik, Homepage

Fakten zum Grünland und Grünlandbewirtschaftung in Schleswig-Holstein

2 Mai 2012 Kein Kommentar

Bewirtschaftung des Grünlandes:

Die Weidehaltung bei der Milcherzeugung geht immer mehr zurück, auch wenn auf Milchpackungen gerne weiter mit dem Bild der glücklichen Kuh auf der Weide Werbung gemacht wird. 

Traditionell wird Grünland in Schleswig-Holstein vor allem als Weideland für Rinder genutzt. Milch, die von Kühen stammt, die auf der Weide gehalten werden, ist nachweisbar gesünder. Außerdem schätzen die VerbraucherInnen auch diese Form der Tierhaltung zu Recht als besonders artgerecht ein. Die Milchwirtschaft konnte sich in der Vergangenheit in Schleswig-Holstein gut entwickeln, weil die natürlichen Voraussetzungen gut waren: fruchtbare Böden, relativ hohe Niederschläge und, besonders an der Westküste und in den niedrig gelegenen Bereichen der Geest, so feuchte Böden, dass eine Ackernutzung weniger wirtschaftlich oder sogar technisch lange Zeit unmöglich war. 

Die Milchmarktpolitik der EU hat zum Ziel, die Milcherzeuger in der EU „für den Weltmarkt fit zu machen“. Einige Milchviehhalter gehen deshalb dazu über, ihre Tiere ganzjährig im Stall zu halten. Es werden auch im Milchviehbereich immer größere Ställe gebaut. Zwar ist das aus Tierschutzsicht weniger problematisch als die Intensivhaltung bei Schweinen und Geflügel, ab einer bestimmten Größenordnung wird eine Weidewirtschaft jedoch praktisch immer weniger durchführbar. 

Noch halten knapp 90 Prozent der Milchbauern in Schleswig-Holstein ihre Tiere auf der Weide. Von den Dauergrünlandflächen werden gut 75 Prozent beweidet. „Die Weidehaltung der Milchkühe nimmt mit zunehmender Herdengröße und Milchleistung auf Grund der Arbeitsökonomie und des Fütterungsmanagements immer mehr ab“ (Zitat Antwort der LR KA 17/2023). In Herden von unter 50 Milchkühen haben noch mehr als 90 Prozent der Kühe Weidegang, bei Herden mit mehr als 100 Kühen sind es nur noch 60 Prozent.Bedeutung des Grünlandes

Das Grünland ist von hohem Wert 

1. für Tourismus/Naherholung

Grünland- und Weidelandschaften sind attraktiv, für Touristen und Erholung suchende Schleswig-Holsteiner gleichermaßen. Wiesen und Weiden gehören seit jeher zu Schleswig-Holstein wie die Knicks der Geest und des ostholsteinischen Hügelland, das Wattenmeer und die Steilküsten an der Ostsee. Kühe auf saftigen grünen Weiden haben das Bild geprägt, das sich die Menschen auch von außerhalb von unserem Land machen. Sie sind eine Art Markenzeichen für Schleswig-Holstein.

2. für den Artenschutz

Besondere Bedeutung hat das Grünland für Wiesenvogelarten. Schleswig-Holstein hat hier internationale Bedeutung für den Artenschutz: viele Grünlandgebiete sind wichtige Rast- und Brutvogelgebiete international geschützter Arten. Einige dieser Arten sind in den letzten Jahren bedrohlich zurückgegangen, z. B. Kiebitz und Uferschnepfe. Der Hauptgrund für diesen Artenschwund ist der Verlust ihres Lebensraumes durch den Umbruch von Grünland zu Ackerflächen.

Auch bei der Grünlandvegetation gibt es viele geschützte Arten, die meist auf eine extensive Grünlandnutzung, auf feuchtes Grünland oder auf trockenes und nährstoffarmes Grünland angewiesen sind. Viele dieser Arten sind bedroht, weil die Nutzung des Grünlandes schon in den letzten Jahrzehnten immer intensiver geworden ist. Aber auch die Vegetation des maßvoll genutzten Weidegrünlands ist vielfältig und bereichert das Nahrungsangebot für Insekten durch bunte Blütenpflanzen. Intensiv genutztes Mähgrünland hingegen mit 4-6 Schnitten im Jahr und hohen Stickstoffdüngergaben hat für Artenschutz nur geringe Bedeutung. Da werden sogar die Butterblumen langsam selten.

3. für den Gewässerschutz

In Schleswig-Holstein sind mehr als die Hälfte der Grundwasserkörper gefährdet. Das heißt, sie sind so stark mit Nitrat belastet, dass das Erreichen eines guten Zustandes, wie ihn die Wasserrahmenrichtlinie der EU vorschreibt, nicht bis 2015 erreicht werden kann. Auch unsere Seen, Flüsse und Bäche sind mit Nitrat und auch Phosphat angereichert, so dass oftmals ihre Lebensraumfunktionen dadurch beeinträchtigt sind. Dieser Nährstoffeintrag in Gewässer geschieht durch Drainageabflüsse oder durch Oberflächenabfluss von Ackerflächen. Beim Grünland werden durch die geschlossene Wurzelschicht („Grünland-Narbe“) die Nährstoffe im Boden festgehalten, deshalb können Grünlandstreifen bzw. Grünlandnutzung entlang von Gewässern den Gewässerschutz verbessern. Wird Grünland umgebrochen, kommt es aber sehr schnell zu einem Humusabbau und damit zu Nährstoffausträgen.

4. für den Klimaschutz

Beim Grünland ist in den Pflanzenwurzeln, in Bodenlebewesen und in Humusstoffen im Boden sehr viel Kohlenstoff gespeichert. Grasland-Ökosysteme stellen einen sehr bedeutenden Kohlenstoffspeicher dar, vergleichbar mit Wäldern. Eine Tonne Humus (organische Substanz) im Boden entspricht 1,8 Tonnen Kohlendioxid. Je länger das Grasland besteht, desto mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre wird gebunden. Darum sind alte Dauergrünlandflächen besonders wertvoll für den Klimaschutz.

5. für ländliche Wertschöpfung

Einkommen vom Grünland werden vorrangig durch Milchviehhaltung erzielt. Weiterhin durch Rindermast, Pferde, Schafe, Ziegen und auch Gänse.

Anteil Grünland:

Der Anteil des Dauergrünlandes an der Landwirtschaftsfläche ist von 2003 bis 2008 von 35 Prozent auf 32 Prozent gesunken (362 T ha auf 334 T ha). Seit 2008 wieder leichte Zunahme auf knapp 340 T ha, rund 33 Prozent der LF. 

Rinderhaltung in Schleswig-Holstein, Entwicklung 1999 bis 2010:

– Rückgang Rinderbestand von 1,337 Mio (1999) auf 1,137 Mio, -15%

– Rückgang Halter im gleichen Zeitraum um 33% von 11,926 auch 7.943

– Durchschn. Bestand 143 Tiere (2010), Bundesdurchschnitt 87, Anteil Betriebe mit > 200 Rindern stieg von 16 auf 27%, die halten 59% aller Rinder.

– Rückgang Milchviehbetriebe von 7.552 auf 5.050, entspricht einem Rückgang von 33%, obwohl der Bestand an Milchkühen nur von 377 T auf 364 T zurückgegangen ist

– Anzahl der Betriebe mit mehr als 100 Kühen ist von 4 auf 21 % gestiegen, diese betriebe halten 40% der Milchkühe (1999 11%).

Fakten zum Milchmarkt:

Die EU-Milchmarktordnung mit dem System der Milchmengenregulierung in Form von Milchquoten läuft in 2015 aus. Danach soll nach dem Willen der EU-Kommission der Milchmarkt in der EU vollständig liberalisiert sein, die Milcherzeuger sollen sich dann auf dem Weltmarkt behaupten. Experten schätzen, dass der Milcherzeugerpreis in der EU sich dann wie in der Milchkrise 2008/9auf 20 cent pro Liter zubewegen wird.

Die EU ist der größte Milcherzeuger, gefolgt, von Indien, China, den USA und Ozeanien. Von der weltweit erzeugten Milchmenge werden aber nur 5-7% international gehandelt. Daraus folgt, dass bereits relativ kleine Angebots- oder Nachfrageänderungen den Milchpreis auf dem Weltmarkt beeinflussen können. Der größte Netto-Milchexporteur ist Neuseeland. Die EU exportiert zwar große Mengen an Milchprodukten, ist aber gleichzeitig auch der größte Importeur. Ähnlich sieht es aus für Deutschland, Deutschland ist zwar in der EU der größte Milchexporteur.

Die Mengensteuerung, die in der EU über das System der Milchquoten seit den 1984 Jahren betrieben wird, hat den Selbstversorgungsgrad stets über dem Bedarf gehalten. Mit der Begründung, einen Übergang zur ab 2015 beabsichtigten Liberalisierung zu erreichen, wurden die Quoten in regelmäßigen Abständen erhöht. Das entspricht der auf Export bzw. Überversorgung ausgerichteten Gesamtstrategie der EU-Agrarpolitik. 

Grüne Positionen

 Die Kuh nicht zur Sau machen

Milchwirtschaft und Grünland gehören zusammen. Kühe gehören auf die Weide. Die Kuh darf nicht zur Sau gemacht und mit immer mehr hochkonzentrierten Futtermitteln gefüttert werden. Dies ist weder ökologisch noch im Sinne der Sicherung der Welternährung, damit wird die Kuh zum Nahrungskonkurrenten für den Menschen.

Mehr Milch aus in der Region erzeugtem Grundfutter melken

In der modernen Milchwirtschaft ist es unabdingbar, Kühe bis zu einem gewissen Anteil auch mit hochenergetischen und eiweißreichen Futtermitteln zu füttern. Sonst können die Betriebe nicht kostendeckend Milch produzieren. Aber diese Futtermittel sollten so weit wie möglich von den Betrieben selbst oder zumindest in der Region angebaut werden. In den politischen Rahmensetzungen (u.a. Anforderung in der EU-Agrarreform zur Fruchtfolge beim Greening), in Forschung, Versuchswesen und Beratung beim Futterbau muss dringend mehr Gewicht auf Alternativen zu Mais im Futterbau und auf die Verwendung von Eiweißpflanzen gelegt werden.

Wir werden mit einer Grünlandinitiatve das Wissen der Praxis, Hochschulen, Kammern und Verbände in einem Grünlandkompetenzzentrum vernetzen und weiterentwickeln.

Gentechnikfreiheit gewährleisten

Wir wollen, dass Schleswig-Holstein frei von gentechnisch veränderten Organismen bleibt. Wir wollen, dass die VerbraucherInnen und auch die Landwirte vor gentechnisch verunreinigtem Saatgut oder GVO in Futtermittel, geschützt werden. Dazu muss die Nulltoleranz bei Saatgut und Futtermitteln im EU-Recht aufrecht erhalten werden. 

Wettlauf nach unten bei Milchpreisen beenden

Wir können von den Milchbauern nur erwarten, dass sie ihre Tiere weiter auf der Weide halten und das Grünland maßvoll nutzen, wenn sie für die Milch auch einen anständigen Preis bekommen. Der Wettlauf nach unten im Lebensmitteleinzelhandel hat bei Milch schon groteske Züge angenommen. Der Liter Milch ist billiger zu haben als die Flasche Mineralwasser.

Märkte fair gestalten, Verhandlungsmacht der Erzeuger stärken

Wir streben nicht an, dass der Staat das Marktgeschehen unmittelbar regelt. Der Staat hat aber die Aufgabe, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die es den Milcherzeugern ermöglichen, faire Preise mit ihren Marktpartnern auszuhandeln. Die Marktpartner sind aber nicht die Verbraucher, sondern einige wenige, hoch konzentrierte multinational agierende Akteure. Darum muss es den Erzeugern erlaubt sein, sich zusammenzuschließen, um ihre Verhandlungsmacht zu stärken. Diese Ansicht wird auch vom Bundeskartellamt gestützt.

Bei der derzeitigen Preisentwicklung geraten gerade die bäuerlichen Milchviehbetriebe unter wirtschaftlichen Druck, die ihre Kühe artgerecht halten und füttern und ihre Flächen umwelt- und klimaschonend nutzen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher wollen keine Dumpingmilch. Sie wollen, dass die Tiere nicht nur auf den Verpackungen grasen, sondern auch im wirklichen Leben auf die Weide kommen. Die Politik muss gegensteuern und den Rahmen für eine nachhaltige Milcherzeugung setzen.

Wir setzen uns im Land, Bund und auf EU-Ebene dafür ein, dass Regeln für faire Märkte geschaffen werden. Für den Milchmarkt gilt das gleiche wie für Finanzmärkte: Besser Märkte gestalten, statt Krisen verwalten.

Möglichkeiten der Landespolitik nutzen, eine bäuerliche, artgerechte Weidehaltung von Milchvieh fördern

Was kann die Landespolitik tun? Auch hier gibt es Möglichkeiten, die wir nutzen wollen, etwa durch Verbraucherinformation, durch Best Practice Beispiele in artgerechter Haltungsformen im Rahmen der ländlichen Entwicklung (ELER-Fonds), durch Förderung der regionalen Vermarktung, durch Unterstützung der Vermarktung von echter Weidemilch und durch klare Regeln gegen Verbraucher täuschende Werbung. 

Position des Bundesverbandes der Milchviehhalter(BDM)

Der Milchviehhalterverband sieht in der EU-Milchmarktpolitik den Grund für die geringen Erzeugerpreise in der EU und das Sterben der Betriebe. Er fordert eine aktive Markgestaltung orientiert an  Bedarf und Nachfrage, um einen weiteren Preisverfall bei den Erzeugerpreisen zu verhindern, einen fairen Preis durchsetzen zu können. Die betriebene Politik geht in eine andere Richtung. Sie dient laut BDM der Milchindustrie, aber nicht den Milchbauern. Mengensteuernde Maßnahmen sind notwendig für die Schaffung eines Marktgleichgewichtes. Dabei geht es nicht vorrangig um den Erhalt der Quoten in der jetzigen Form, sondern um ein neues System, in dem die Milcherzeuger einen größeren Einfluss bekommen. Die bestehenden Milchviehbetriebe sollen möglichst erhalten bleiben. Ein weiterer Strukturwandel (Sterben von Betrieben, Wachstum und Intensivierung der verbleibenden Betriebe) wäre nicht erforderlich, wenn angepasst an den Bedarf zu kostendeckenden Preisen produziert werden kann. Der BDM fordert regelmäßig, die Anhebungen der Quoten auszusetzen.

Die Milcherzeuger in Deutschland können laut Auskunft des BDM zur Zeit überwiegend nur zu einem Preis von mindestens 40 cent/Liter kostendeckend Milch erzeugen. Der BDM spricht deshalb auch bei 30 cent von einer „Schallmauer“. Fällt der Preis darunter, treten erhebliche Substanzverluste ein. Diese Schallmauer ist in den letzten Jahren immer mal wieder durchbrochen worden. Zuletzt sorgten die schlechten Preisabschlüsse einiger Molkereien mit Aldi mit Preisrückgängen um 4 bis 4.5 cent bei Trinkmilch im April für Schlagzeilen. Dabei haben sich die Erzeugerkosten in den letzten Monaten  infolge höherer Energie- Futter- und Lohnkosten um mindestens 5 cent/Liter erhöht.

Leave your response!

Add your comment below, or trackback from your own site. You can also subscribe to these comments via RSS.

Freundlich und am Thema bleiben. Kein Spam.

Nutzen Sie diese tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Dies ist ein Gravatar-basierter Blog. Um Ihren global verwendbaren Avatar zu bekommen, registrieren Sie sich bitte auf Gravatar.