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Das Ende für CCS ist das Aus für große Kohlekraftwerke

2 Mai 2010 Kein Kommentar

Unterirdische CO2Lagerung bundesweit verbieten 

Nordfriesland darf nicht zur Klimagas-Müllkippe derNation werden. Darüber besteht Einigkeit.
Wer aber nicht sagen will: Oh heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andere an! Wer also nicht nach dem Sankt-Florians-Prinzip handeln will, muss sich für einen generellen Ausschluss der großtechnischen Ablagerung von Kohlendioxid einsetzen. Nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern überall. Wir sagen nicht: Autobahnen sind gut, nur nicht vor meiner Haustür. Oder in diesem Fall: CCS-Technik ist Klasse, weil wir die Dinosaurier – große Kohlekraftwerke– ungehemmt bauen können. Aber wir wollen CCS-Technik nicht in Nordfriesland, nicht in Plön, nicht in Ostholstein, jedoch anderswo, wir wissen allerdings nicht wo.


CCS-Technik ist noch nicht technisch verfügbar. Es kommt als Klimastrategie zu spät.
CCS führt zu einer gigantischen Verteuerung der Stromerzeugung.
CCS ist eine Risikotechnologie, eine Großtechnik mit Hunderten von Millionen Tonnen Material, das abgelagert werden muss.
CCS schützt nicht vor Feinstaub und Schwermetallen, die bei der Kohleverfeuerung ebenfalls freigesetzt werden.
CCS ist auch keine Antwort auf die Verknappung, auf die abnehmende Ressourcenverfügbarkeit der Energierohstoffe. Im Gegenteil: Der Verbrauch an Kohle bei der Stromproduktion mit CCS steigt bei Steinkohle um den Faktor 1,6 und bei Braunkohle um 1,8.
Damit wird der Effizienzgewinn neuer Kraftwerke hoffnungslos zerschlagen. Der etwas bessere Wirkungsgrad ist aber die Hauptbegründung im schwarz-gelben Koalitionsvertrag, bei Gabriel, bei Südweststrom, Vattenfall, EON und Co. für den Neubau von Kohlekraftwerken. Es sei geradezu eine Klimasünde, die irre guten neuen Kohlekraftwerke nicht zu bauen.
CCS hat eine teuflisch schlechte Ausnutzung der Energie. Niemand will deswegen Kohlekraftwerke mit CCS-Technik bauen. Die Technik der CO2-Abscheidung und Ablagerung hat nur eine politische Funktion: Mit CCS soll der Neubau von neuen großen Kohlekraftwerken gerechtfertigt werden. Es ist nichts anderes als eine Legitimationsstrategie für Kohleneubau ohne CCS.
In Brunsbüttel sollen vier Kohlegiganten gebaut werden mit je 800 Megawatt und heizen mit mehr als der Hälfte ihrer Energie die Elbe auf. Natürlich werden die Kraftwerke „Capture-ready“ gebaut, zur Beruhigung, was praktisch nur ein etwas größeres Grundstück bedeutet. Wer für Klimaschutz ist und gleichzeitig gegen CCS, der darf keine Kohlekraftwerke bauen. Für Schleswig-Holstein bedeutet das schlicht die Vervierfachung des Ausstoßes von Treibhausgasen.
Gegen CCS, für Kohle und für Klimaschutz: Das passt nicht zusammen. Widerspruch Nummer Eins.
Für Windenergie – Jubel, Jubel im Koalitionsvertrag – und für Kohlegroßkraftwerke: Das passt ebenfalls nicht zusammen. Widerspruch Nummer Zwei, denn die Großkraftwerke verstopfen die Netze. Wind und Kohle konkurrieren um die Leistungsabführung im Netz. Die Strategie des Festhaltens an großen Kondensationskraftwerken, sei es Atom oder sei es Kohle, hindert ebenfalls den Ausbau der angeblich geliebten erneuerbaren Energie, weil diese nur Grundlast liefern. Grundlastfähigkeit ist keine Tugend, sondern die Unfähigkeit zur Modulierung der Stromerzeugung. Mit anderen Worten: Atom und große Kohle kann nur Strich fahren. Wir brauchen jedoch in Zukunft flexible Erzeugung von Strom, die bei der wachsenden stochastischer Leistung der Erneuerbaren mitspielen kann. Kraft-Wärme-Kopplung kann das. Aber die Kohlekraftwerke in Brunsbüttel stehen strukturell auch einem KWK-Ausbau entgegen.
Höchste Zeit also, wenn wir wirklich alle gegen CCS sind oder jedenfalls den Einsatz dieser Technik nicht für durchsetzbar halten, uns von der Kohlestrategie in Schleswig-Holstein zu verabschieden.
Das gilt auch für die antragstellende Fraktion, den SSW, der bisher den Bau neuer großer Kohlekraftwerke in Brunsbüttel unterstützt hat. Alle im hohen Hause vertretenen Parteien sind bisher auf dem Kohletrip bis auf die Grünen und die Linke. Es hilft alles nicht: Kein Wirkungsgrad, kein CCS. Die Kohle muss in der Erde bleiben!
Dem SSW-Antrag stimmen wir zu.
Saubere Kohle, das ist eine dreckige Lüge.

Landtagsrede des energiepolitischen Sprechers der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Detlef Matthiessen:

Landtagsrede des energiepolitischen Sprechers der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Detlef Matthiessen:

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