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Brunsbüttel als LNG-Standort entwickeln – Chance nicht verpassen

22 Mai 2015 Kein Kommentar

Presseinformation Nr. 219.15 / 22.05.2015. Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 23 + 52 – LNG-Infrastruktur in Brunsbüttel

Dazu sagt für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen der Abgeordnete, Bernd Voß:

Brunsbüttel als LNG-Standort entwickeln – Chance nicht verpassen

Vorweg vielen Dank an den Minister für den Bericht. Der Ausbau einer
LNG (Liquified Natural Gas)-Struktur kann für den am Energiestandort
Brunsbüttel von erheblicher Bedeutung sein.

Rund zwei Dutzend LNG-Hafenstandorte in Europa kommen in der Entwicklung
bisher nicht so richtig voran. Am Hafenstandort Wilhelmshafen gibt es bei
hervorragender multimodaler Anbindung des Standortes und einer
leistungsfähigen Gasleitung seit Jahrzehnten Planungen für LNG, die
bisher nicht umgesetzt wurden.

Doch es gibt viele Gründe, warum LNG am Standort Brunsbüttel jetzt
erfolgreich sein kann:

– Die neue Ausrichtung der EU Energieaußenpolitik: Die EU und auch
Deutschland sind in hohem Maß abhängig von Energieimporten. Bei Öl und
Gas sind es in Europa zirka 70 Prozent. Das meiste Gas kommt per Pipeline
aus Russland. Im Zuge der Ukrainekrise ist nochmal sehr deutlich geworden,
wie wichtig eine Diversifizierung in der Energieaußenpolitik ist. Über
LNG wäre ein weltweiter Bezug von Flüssiggas auf dem Seeweg über den
Brunsbütteler Hafen möglich.

– Am Standort Brunsbüttel wäre neben einer Tanklagerung und dem Ausbau
der Lagerung auch der Ausbau von Terminal und Bunkerstation möglich.

– Die Lage am Schifffahrtsknotenpunkt in der Elbmündung und am Kanal
würden die verschiedenen Optionen einer sich entwickelnden Infrastruktur
für den Einsatz von LNG als Schiffstreibstoff eröffnen.

– Die Schifffahrt in Nord-und Ostsee hat seit 2015 die niedrigen
Schadstoffgrenzwerte des IMO Marpol Abkommen einzuhalten. LNG-Gas als
Schifftreibstoff heißt 100 Prozent weniger Partikelemission, 100 Prozent
Schwefeldioxid-Reduktion, 70 Prozent weniger Stickoxyde und 25 Prozent
weniger Klimagase.

– Eine LNG-Struktur würde auch Reedereien den Impuls zur Umstellung auf
diesen Treibstoff geben.

– Die in Brunsbüttel ansässige Industrie hat einen hohen Bedarf an Gas
für die Energie und die Verarbeitung in chemischen Prozessen. Hier
würden nicht nur den Engpässen im jetzigen Erdgasleitungssystem in
Brunsbüttel begegnet.

– Der Raum Brunsbüttel ist ein Knotenpunkt für Offshore- und Onshore-Strom. Langfristig ergibt sich unter anderen
Preis-Kostenstrukturen dadurch an diesem Standort auch die Perspektive,
LNG aus Windstrom erneuerbar herzustellen.

– Brunsbüttel verfügt über multimodale Verkehrsanbindung: Die B5
sichert den Transport und die Verteilung von Flüssiggas über LKW. Hinzu
kommt für den LKW-Verkehr eine neue Fährverbindung im
Elbmündungsbereich von Brunsbüttel nach Cuxhaven. Von dort geht es
staufrei Richtung Bremen und weiter Richtung Ruhrgebiet, Süddeutschland
und Niederlande, hinzu kommt der Gleisanschluss direkt Richtung Hamburg.

– Der Umgang mit Chemie und Gas ist vor Ort seit Jahrzenten geübte
Praxis. Entscheidend aber ist: Es gibt UnternehmerInnen und
Unternehmensabsprachen, die diese Entwicklung voran bringen können und
wollen. Örtliche Kommunen, die diese Entwicklung voll tragen und über
12.000 Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt am Standort hängen.

Daraus ergeben sich die Herausforderungen, die zügig abgearbeitet werden
müssen:

– Die Bundesregierung muss sich stärker für eine LNG-Struktur in den
Häfen der Nord- und Ostsee einsetzen und die dafür notwendigen
politischen Beschlüsse fassen. Es muss mehr Planungssicherheit her.

– Das über 10 Jahre währende „Herumgeeiere“ um die Umsetzung der
Vorgaben für saubere Treibstoffe in der Schifffahrt in Nord- und Ostsee
und deren Häfen darf nicht immer befeuert werden. Das verhindert schon
seit Jahren die Entwicklung und Investition in neue Techniken und
Treibstoffe bei Schiffsantrieben.

– Es müssen zügig verbindliche Vorgaben für Genehmigungen und
Sicherheitsstandards für Errichtung und Betrieb der LNG Anlagen
erarbeitet und umgesetzt werden.

– Der Bahnanschluss erinnert eher an die Kaiserzeit. Wir haben auf unserem
Grünen Landesparteitag am 09./10. Mai in Lübeck den einstimmigen
Beschluss gefasst, dass für eine zügige Umsetzung einer besseren
Anbindung von Brunsbüttel auch eine Infrastrukturgesellschaft für die
Herrichtung und den Betrieb der Bahnstrecke nach Brunsbüttel unter
Beteiligung des Landes geprüft werden muss. Es darf nicht sein, dass hier
Entwicklungschancen für den Standort auf der Strecke bleiben.

Wir müssen diese Punkte auf der kommenden Sitzung des Wirtschaftsausschusses dringend weiter beraten.

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